Manchmal passieren Dinge auf einer Baustelle, die man sich nicht ausdenken könnte. Hier sammeln wir sie – damit sie nicht vergessen werden.
Wir bauen kein Haus. Wir bauen ein Nest – für unsere Familie, für Menschlichkeit, und irgendwann für Gäste, die hier Geschichte nicht nur sehen, sondern wirklich erleben dürfen. Was wir dabei nicht erwartet haben: wie viele Menschen uns auf diesem Weg einfach entgegenkommen.
Wir waren dabei, die Notabdichtung zu installieren. Das Dach war offen, der nächste Regen war unterwegs. Unser Nachbar – er wohnt ein paar Häuser weiter – hat zugeschaut. Kurz. Dann ist er rübergekommen.
Er hat nicht gewartet bis man ihn fragt. Er hat gefragt ob er helfen kann.
Kein Auftrag. Kein Lohn. Einfach ein Mensch, der sieht dass etwas passiert – und der dabei sein will. Das ist Nassau.
Ein älterer Herr stand eines Tages vor der Tür. Er hatte selbst dort gewohnt – in genau den Räumen, in denen wir gerade unser Lager aufgeschlagen haben. Er fragte schüchtern, ob er mal schauen dürfte.
Natürlich darf er.
Er ging durch die Zimmer. Langsam. Blieb stehen. Schaute sich um. Dann zog er sein Handy heraus und fotografierte die alten Kachelöfen – seine Kachelöfen, wie er sie als Kind erlebt hatte.
In diesem Moment haben wir verstanden: Wir sanieren hier keine Mauern. Wir geben Menschen ihre Erinnerungen zurück.
Unsere Denkmalschutzbeauftragte der UDB ist an Gesetze gebunden. Das ist ihr Job und das ist gut so – denn diese Gesetze schützen das, was wir retten wollen.
Sie hätte uns sagen können: „Schiefer. Traditionell. So steht es im Gesetz." Das wäre ihr gutes Recht gewesen.
Hat sie nicht.
Moderne Sandwichplatten in Schiefer-Optik: genehmigt. Historische Silhouette erhalten: ja. Dach dicht: endlich möglich. Dafür sind wir dankbar.
Wir fuhren zum ersten Mal nach Nassau ohne große Erwartungen. Zwei Menschen aus einer anderen Gegend, auf der Suche nach einem neuen Anfang.
Was wir nicht erwartet hatten: dass man uns empfängt, als kämen wir nach Hause. Die Nachbarn. Das Rathaus. Überall dieselbe Wärme – so herzlich, so aufrichtig, dass es fast schmerzte.
Diese Menschen wollten uns hier haben. Sie wollten, dass das alte Schäfergut wieder lebt. Dass wieder Licht brennt. Dass wieder Kinder lachen. Dass wieder Geschichte geschrieben wird.
Es fasziniert uns zutiefst, wie sehr sich die Menschen danach sehnen, dass in ihrer Straße wieder Leben einzieht. Das ist unser größter Antrieb.
Drei Mädchen — acht, neun vielleicht, und die Älteste zwölf, dreizehn — hatten sich am Wohnhaus eine kleine Plattform gebaut. Ihr eigenes kleines Reich. Sie kamen und fragten schüchtern, ob sie sie behalten dürften.
Natürlich dürfen sie.
Brot und Salz. Das älteste Willkommensgeschenk der Welt. Dargebracht von Kindern, die es wahrscheinlich gar nicht wussten. Die einfach gespürt haben, dass man sich bedankt — mit dem, was man hat. Von Herzen.
In diesem Moment haben wir verstanden: Das Schäfergut gehört nicht uns allein. Es gehört der Straße. Den Kindern. Der Gemeinschaft. Wir sind nur die, die aufmachen.
Das Projekt hat gerade erst begonnen. Jede Begegnung, jede Geschichte, jeder Mensch der uns berührt – wir halten sie hier fest. Schau gerne wieder rein.
← Zurück zur Hauptseite